Von Benjamin Ziemens




Als ich mich Anfang August 2009 nach Indien begab, hatte ich nicht das geringste Bild von diesem Land, geschweige denn von der Einrichtung Glory Foundation, in der ich ein Praktikum machen wollte. Mitten in der Nacht landete ich also in Bangalore und wurde von einem Freund des Leiters der Einrichtung abgeholt. Etwa gegen 4 Uhr nachts kam ich dann in der Einrichtung an, einem 2-stöckigen Haus in einem kleinen Dorf am Rande von Bangalore.

Der Leiter, Dass Arockriam, empfing mich sehr nett und wir setzten uns erstmal mit einem Tee zusammen und plauderten ein paar Minuten. Danach zeigte Dass mir mein Zimmer und ich schlief mich bis halb 4 nachmittags am nächsten Tag aus. 
In der Einrichtung waren zum Zeitpunkt meiner Ankunft nur 2 Menschen mit geistiger Behinderung, Imthiaz und Santosh, womit wir dann zu viert waren.

In den ersten 3-4 Tagen musste ich mich erstmal an meine neue Umgebung gewöhnen, auch weil ich es mir komplett anders vorgestellt hatte. Es gab kein festes Tagesprogramm und keine Struktur, nur die Essenszeiten waren geregelt. Damit musste ich mich erstmal zu Recht finden. Mit zunehmender Dauer lebte ich mich aber immer besser ein und fand auch immer mehr Gefallen an der Art dieser familiären Einrichtung und konnte mich mehr einbringen. Ich hatte viele interessante Gespräche mit Dass und er konnte mir viel erzählen über Indien, die Arbeit mit behinderten Menschen und noch vieles mehr.

Nach meiner anfänglichen Unsicherheit fühlte ich mich mit fortwährender Dauer immer wohler und als Teil dieser „Familie“. Ich kümmerte mich um die Betreuten, spielte mit ihnen, half Dass bei den anfallenden Arbeiten und konnte mir auch ab und an einen Tag frei nehmen, um in die Stadt zu fahren.  


Nach ca. 3 Wochen kamen dann noch zwei weitere behinderte Menschen in die Einrichtung. Von da an war ich fast rund um die Uhr gefordert, auch weil einer der Neuen ein hyperaktives Kind war, was mich gerade zu Beginn immer beschäftigt hielt. Ich konnte zu allen Betreuten eine sehr gute Beziehung aufbauen und sie wuchsen mir alle sehr ans Herz.


Letzten Endes bin ich sehr froh dass ich in dieser Einrichtung ein Praktikum machen konnte und nicht in einer größeren, mit mehr Personal und Betreuten. So konnte ich eine engere Bindung zu allen aufbauen und das indische Leben auf eine ganz andere Art kennenlernen.

Wir haben viel gelacht zusammen und ich hatte eine sehr schöne, erfahrungsreiche Zeit die ich nicht missen möchte. Am Ende meines Praktikums fiel es mir deshalb auch sehr schwer zu gehen.

Ich stehe weiterhin in Kontakt mit Dass und denke gerne an diese Zeit zurück.


Von Tim Heiming

Durch einen Aushang an der Uni Mensa Köln bin ich auf den Verein Glory Foundation aufmerksam geworden. Der Aushang enthielt kurze Informationen zu dem Projekt und dass es möglich wäre, dort ein Praktikum zu absolvieren. Da ich sehr an anderen Kulturen interessiert  bin und in der Vergangenheit schon viele Länder bereist habe, war mir sehr schnell klar, dass dies eine gute Möglichkeit darstellen könnte, ein anderes Land, eine andere Kultur und Arbeitsweise mit Menschen mit einer geistigen Behinderung kennen zu lernen und gleichzeitig das Praktikum mit meinem Studium der Sonderpädagogik in Verbindung zu bringen. 

Nach einem gemeinsamen Treffen mit Sarah und Ben (den deutschen Mitarbeitern von Glory Foundation) wurde ich in meinem Wunsch bestärkt, in Indien ein Praktikum zu machen. Im Anschluss ging es für mich darum, mich an meiner Universität zu informieren, ob es prinzipiell möglich ist, im Ausland ein studienrelevantes Praktikum zu machen, welches einem auch angerechnet wird. Als ich alle Unwegsamkeiten und Bedenken bei Seite geräumt hatte, setzte ich mich ein letztes Mal mit Sarah in Verbindung, um kurz darauf meinen Flug nach Bangalore zu buchen.

Angekommen am Flughafen in Bangalore, wurde ich von einem von Dass beauftragten Taxifahrer abgeholt. Jeder andere Taxifahrer hätte das kleine Dorf am Rande Bangalores niemals gefunden. Bei meiner Ankunft wurde ich herzlich und warm empfangen.

In den ersten Tagen meines Praktikums ging es primär darum, die täglichen Abläufe kennen zu lernen und ein Gefühl für die Bewohner zu bekommen und sie besser kennen zu lernen. Begleitet wurde ich dabei von Dass, dem ich viele Fragen stellen konnte und der mir immer mit Erklärungen zur Seite stand. Wir haben viel über die Bewohner gesprochen und schon ansatzweise überlegt, in welchen Bereichen ich die einzelnen Bewohner individuell fördern könnte und ich meinen Platz in der Gruppe für diesen Monat finden kann. 
Meine erste Aufgabe war das Assistieren beim morgendlichen Waschen und Zähne putzen. Ein Junge mit Down- Syndrom brauchte Hilfe beim Waschen, da er nur grobmotorische Bewegungen ausführen konnte. Sowohl der Junge, als auch ich, hatten dabei keine Berührungsängste. Dass hat mir nur kurz erläutert, wo ich genau helfen muss und was der Junge schon alleine kann.

Danach wurde das Frühstück zubereitet und die Bewohner kümmerten sich um das Decken des Tisches. Dabeihabe ich sie begleitet und angeleitet und  immer berücksichtigt, wer welche Aufgabe übernehmen könnte und wem man anspruchsvollere Aufgaben auftragen könnte.

Nach dem Frühstück stand die erste Arbeitsphase auf dem Programm, bei der ich in der Anfangszeit erstmal hospitierte und später dann assistierte und auch leitete. Bei der Kerzenherstellung, die in einem separaten Raum stattfand, war es meine Aufgabe, die Bewohner zu beaufsichtigen und gewisse Sicherheitsaspekte zu beachten und aufzupassen, dass sich keiner verletzt.

Weitere Aufgaben waren Rechnen und Schreiben lernen, wobei ich den Bewohnern Aufgaben stellte und sie kontrollierte und verbesserte. Außerdem habe ich mit den Bewohnern gemalt und gebastelt. Das Herstellen von Grußkarten ist ein weiterer Zweig, um finanziell unabhängiger und stärker zu werden.
In den vier Wochen arbeiteten wir allgemein viel im Garten; von Tomaten bis zu verschiedenen Gewürzen haben wir einiges angebaut und geerntet. Weiterhin haben wir zusammen mit den Bewohnern einen Teil des Gartens hergerichtet und das Zeichen von Glory Foundation in Form von Steinen auf dem Boden des Gartens ausgelegt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Die vier Wochen bei Glory Foundation waren eine schöne, lehrreiche und spannende Zeit, die mich in meinem Wunsch, mit Menschen mit einer geistigen Behinderung zu arbeiten, gefestigt hat. Das Projekt hinterlässt einen sehr guten Eindruck bei mir. Mit Dass Arockiadass gibt es einen kompetenten Mann vor Ort, der gute Arbeit leistet und das gespendete Geld erfolgreich einsetzt. Ich werde mich in Zukunft weiterhin für den Verein engagieren.